4. Juli 2013

STEMPELDRUCK

Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel -
man weiß nie, was man kriegt.  Tom Hanks in "Forrest Gump"


Beim Stempeldruck ist das auch so. Jeder Druck ist einzigartig. Jeder Handdruck ist das. Und das macht ja auch den Reiz am handbedruckten Stöffchen aus.

Linoldruck auf BaumwolleDie jeweilige Stoffstruktur und der unregelmäßige Farbauftrag erzeugen immer wieder neue Effekte. Dazu kommt, dass Textilfarben nicht 100% deckend sind und somit zusätzlich das Druckergebnis beeinflussen. Die reine Farbe kommt nur auf weißem Stoff zur Geltung.

Stempeldruck am Küchentisch


Ich mag naturfarbene Baumwollstoffe. Meine Stöffchen bedrucke ich am Küchentisch. Hier siehst du auch, dass mein neuer Stempel schon zum Einsatz gekommen ist.

Stempeldruck auf BaumwolleUnd jetzt gehe ich bügeln. Die Textilfarbe wird so auf dem Stoff haltbar gemacht und verträgt auch mal eine Wäsche. Denn wir wollen ja lange Freude haben, am handbedruckten Stöffchen!

Morgen ist Freudich-Freitag, und ich habe Großes vor mit dem Neuen. Du darfst gespannt sein...

Bis bald.

2. Juli 2013

LINOLSCHNITT

Linolschnitt mit KunststoffmatteEin neues Druckmotiv. Wie geht es nun weiter? Ich stelle einen Druckstock her. Meine Druckstöcke schneide ich gern aus Linoleum bzw. Kunststoffmatten. Das ist ganz einfach und hat klare Vorteile. Du brauchst nicht viele Werkzeuge, und die Druckstöcke lassen sich viele Male wiederverwenden. Sie eignen sich zum Bedrucken von Papier oder auch Stoff. Ob handgemachtes Geschenkpapier oder Bucheinbände - die Möglichkeiten sind mannigfaltig.

Für den Linolschnitt gibt es Klingen mit U- oder V-Formen in verschiedenen Größen zu kaufen. Ich habe mir dazu für den Anfang ein Starterset besorgt.

Motiv auf Kunststoffplatte übertragen
Motiv auf die Linolplatte übertragen.

Wenn du dein Motiv mit Bleistift oder Filzstift auf die Linolplatte gezeichnet hast, schneidest du zuerst mit einer kleinen V-förmigen Klinge das Material außerhalb der Motivkontur weg.
Dann trägst du alle Negativflächen ab. Negativflächen sind die Bereiche, die nicht drucken sollen.

Achtung! Schneide mit der Klinge stets vom Körper weg, damit du dich nicht verletzt!

Linolschnitt Kontur mit V-förmiger Klinge
Mit einem Linolschnittmesser zuerst außerhalb der Motivkontur entlang schneiden.




Linolschnitt fertigen
Negativflächen abtragen.


Hast du alle Negativflächen abgetragen, testest du dein Motiv auf Druckbarkeit. Das machst du ganz einfach, indem du ein Blatt Papier über deinen Linolschnitt legst und mit einem Bleistift die gesamte Fläche abreibst.

Linolschnitt testen
Geschnittenes Motiv testen.

Bist du mit dem Ergebnis zufrieden, schneidest du mit einer Schere überflüssiges Material außerhalb des Motives weg.

Linolschnitt fertig
Überflüssiges außerhalb des Motives wegschneiden.



Voilà! Fertig ist dein Stempel für den Linoldruck.

Mein Tipp: Klebe deinen Stempel am besten noch auf einen festen Untergrund wie Sperrholz. Lass ihn über Nacht aushärten. Und du wirst sehen, dass das Drucken dann noch viel einfacher von der Hand geht.

Du willst es ausprobieren?

FRAUSCHÖNERT's Materialliste
  • Linoleum oder Kunststoffmatte
  • verschiedene Linolschnittmesser
  • Schmierpapier
  • Bleistift oder Filzstift
  • Schere
  • Bastelkleber
  • Sperrholzplatte
  • Zeitungspapier als Unterlage

1. Juli 2013

KONFUZIUS SAGT

"Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten."

Dieses kleine Zitat von Konfuzius gibt mir meine Mutter an diesem sonnigen Montagmorgen mit auf den Weg. Ja, ich liebe, was ich tue. Da wundert es auch nicht, dass ich sogar am Sonntag an einem neuen Stempelmuster tüftle. Und heute, an diesem sonnigen Montagmorgen kommt mir die zündende Idee.
Entwurf im Skizzenblock
Ideen kritzle ich gern in mein Skizzenbuch. Ein Skizzenbuch schafft Ordnung und ist Quelle für neue Inspiration. Denn wer weiß, das eine oder andere Gekritzel ist später vielleicht mal die Vorlage für ein neues Muster.

paper cutWenn mir ein Motiv gefällt, vervielfältige ich es mit dem Kopierer und starte meist mit einem Scherenschnitt.
 
paper cut
Den Scherenschnitt kopiere ich wiederum mehrfach. Dann kann ich nach Herzenslust und Laune rapportieren. Das heißt, ich teste, wie ich mein Motiv am besten auf der Fläche verteile und es sich anschließend zu einem fortlaufenden Muster zusammenfügt.
 
Rapport im Ganzversatz und Ziegelversatz
Rapport im Ganzversatz (links) oder im gespiegelten Ziegelversatz (rechts)
Rapporte im Ziegelversatz und unregelmäßig
Rapport im Ziegelversatz (links) oder im unregelmäßigen Rapport (rechts)
 Ich wünsche dir einen guten Start in eine ideenreiche Woche. Liebe, was du tust!

28. Juni 2013

PROPAGANDA AUF STOFF

Hast du jemals was von "Kommunistischen Tischdecken" gehört? In den 1920er und 1930er Jahren waren in der Sowjetunion unglaubliche Stoffmuster populär. Propaganda auf Stoff. Entdeckt habe ich diese verrückten Muster bei English Russia, wo du dir noch mehr davon ansehen kannst.

Stoffe der UdSSR
Quelle: English Russia


Stoffe der UdSSR
Quelle: English Russia

Stoffe der UdSSR
Quelle: English Russia

Du fragst dich jetzt sicherlich, wie ich auf so ein Thema komme? Schuld daran ist der Wandertag mit der Klasse 7d diese Woche. Der Wandertag zum geheimsten Ort Großenhains, der mich noch immer beschäftigt...

Bunker, Ausstellung Flugplatz GroßenhainDer geheimste Ort war einmal. Es war der Ort, wo von 1945 bis 1993 die Garnison der Sowjetarmee und die 105. Jagdbomberdivision ihren Dienst taten. Der Flugplatz Großenhain. Dort betreten wir einen Bunker. Er diente damals als Munitionslager und ist heute Herberge der Ausstellung zur Geschichte des geheimsten Ortes, mit Sehenswertem über Militärtechnik und Soldatenalltag.

Ausstellungsstücke Flugplatz GroßenhainDer geheimste Ort. Er hatte Bewohner. Das waren Offiziere, Soldaten, Angestellte, kurz um - Familien mit Kindern. Kontakte waren unerwünscht. Kalter Krieg, Spionagegefahr. So war das damals. Damals in den 80ern. Ich erinnere mich und mir wird klar, dass wir NICHTS über "die Freunde" wussten und ihnen eigentlich auch aus dem Weg gingen. Jeder schön für sich! Die Freunde waren uns fremd.

Die Freunde, so wurden sie bei uns genannt. Die Freunde waren anders. Sie aßen gern Knoblauch und rochen auch danach. Sie hatten auffallend viele Goldzähne. Die Frauen trugen protzige Ohrringe und parfümierten sich mehr als gut für sie war. Die Mädchen banden sich riesige Schleifen ins Haar. Wobei ich zugeben muss, dass mir Letzteres sehr gut gefiel. Ich mochte die braunen Schulkleider mit den weißen, gerüschten Schürzen und die zu Affenschaukeln geflochtenen Zöpfe der Mädchen. (Welches Mädchen wollte nicht auch so schönes Haar haben?!) Tee trank man aus dem Samowar. Die sowjetischen Märchenfilme waren allseits beliebt.

Deutsch-sowjetische Freundschaft wurde propagiert.
Propaganda auf Stoff eben.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

26. Juni 2013

GUDDIES

"Mach's guddi!", sagt der Sachse zum Abschied und meint damit, dass er dir alles Gute wünscht. Ich sage das auch ständig. Und meine das auch so. Deshalb gibt es bei mir ab sofort "Guddies" mit auf den Weg. Handgemacht mit Liebe.

Welche, siehst du hier. Jetzt im Daumenkino. Kuckst du?



Wenn du jetzt Lust bekommen hast, deine eigenen Guddies zu kneten, so einfach geht's:

FRAUSCHÖNERT's Guddies aus Salzteig
• 2 Tassen Mehl
• 1 Tasse Salz
• 1 Tasse Wasser
• 1 TL Öl
• Rührschüssel
• Backblech
• Backpapier
• Backofen
• Farben zum Färben des rohen Salzteigs
• Acrylfarben zum Bemalen des trocknen Salzteig

Alle Zutaten vermengen und ordentlich durchkneten bis sich eine feste, gut formbare Masse gebildet hat. Dann kannst du den Teig nach Belieben färben, formen, ausrollen, ausstechen und verzieren. Deine Guddies lässt du am besten 24 Stunden auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech durchtrocknen. Am nächsten Tag schiebst du das Blech für ein bis zwei Stunden in den auf 50°C vorgeheizten Backofen. Der Salzteig ist ausgehärtet, wenn er sich hohl anhört (Klopfprobe). Zum Abschluss kannst du deine Guddies natürlich auch noch bemalen.

Viel Spaß dabei!

24. Juni 2013

NULL-FEHLER-PRODUKTION

1988, 225 Jahre Textildruck Großenhain
Was nach meiner Lautex-Fotosession passierte? Nichts Übermenschliches. Nur dass ich jetzt ein bisschen mehr über die Geschichte der Großenhainer Textilveredlung weiß. Und diese Geschichte begann im Sommer 1763. Deshalb möchte ich hier einmal festhalten, dass wir 2013 auf eine 250 Jahre alte Tradition unserer Stadt zurückblicken!

In meinem Elternhaus fand ich diverses Informationsmaterial. Die Broschüre zur Betriebsgeschichte von 1988 liest sich wie Satzkonstruktionen von Olaf Schubert - krampfhaft sozialistisch und unfreiwillig komisch. Berichtet wird von Produktionssteigerung zum Wohle des Volkes, für den Frieden und überhaupt. Mein absolutes Lieblingswort ist die Null-Fehler-Produktion.

Naja, trotz der Null-Fehler hat es der Betrieb nicht wie angekündigt über die Schwelle des Jahres 2000 geschafft. Das wissen wir. Doch die Lautex-Stoffe existieren noch, in den Haushalten vieler Großenhainer...

Mein Interesse galt also fortan den Stoffmustern einschließlich der witzigen Anekdoten aus der Zeit der glorreichen Null-Fehler-Produktion jenseits der 48 Mio. Quadratmeter im Jahr in 50 Sortimenten. Witzige Anekdoten über Kiloware, Dederon-Schürzen und Watteline aus der damaligen Tschechoslowakischen Sozialistische Republik.


TVG, Dederon-Schürzenstoffe
Dederon für Schürzen und Beutel.




Baumwollstoffe, Meterware
Dekostoffe aus Baumwolle
Bettwäsche aus Baumwolle
Riesen-Anteil der Produktion: der Druck von Bettwäsche
bedruckte Stoffe



Popeline, genähter Anzug
Zur Jugendweihe gab's einen Anzug aus Popeline.


Präsent 20 aus 100% Polyester
Knitterfrei nach Jahrzehnten: 1969 gab es zum 20. Geburtstag der Republik "Präsent 20", ein Stoff aus 100% Polyester.




Teasy, bedruckter Baumwollstoff, Bettwäsche
Für den Export bestimmt: meine heiß geliebte "Teasy"-Bettwäsche.

Hast auch du noch Lautex-Stoffe im Schrank? Welche? Und über welche Umwege hast du sie erstanden? Berichte mir davon! Ich bin gespannt...

19. Juni 2013

ZEITREISE

Der Weg ist das Ziel, heißt es. Und es stimmt. Es macht mich unglaublich zufrieden, etwas mit meinen Händen zu schaffen. Dass das handbedruckte Stoffe sein werden, wusste ich vor einem Jahr noch nicht. So lange etwa ist es her, dass ich inspiriert von einer fotografischen Zeitreise in meine berufliche Vergangenheit zurückkehrte und plötzlich wusste: Ich hab richtig Bock, wieder etwas mit Textilien zu machen!

Am Rande sei erwähnt, dass ich im volkseigenen Betrieb der DDR, genauer gesagt in der Textilveredlung Großenhain, örtlich bekannt als "Lautex", eine Ausbildung zur Textilmustergestalterin genoss. Eine schöne Zeit. Für mich leider nur von kurzer Dauer. Denn dann kam die Wende und mit ihr die Abwicklung des einst so großen Betriebes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier ein paar Fotos meiner Zeitreise. Und was danach passierte, erzähle ich dir beim nächsten Mal...

verrostetes Tor mit Aufschrift TVG
TVG - Textilveredlung Großenhain

Einfahrt
TVG, Einfahrt
TVG, die Natur erobert das verlassene Gelände.




Mauerwerk mit Aufschrift



alte Fabrikhalle
TVG, die Farbküche von damals.

Ruine mit Pflanzen bewachsen
TVG, versteckt im Grün - der ehemalige Sitz der Coloristen (glaube ich).